Kölnische Rundschau

Nur die Märchen sind unverändert

Von Wendelin Sandkühler, 03.09.10, 12:00h

Kaum ein Besucher dürfte es gemerkt haben: Die Erzählstimmen im Märchenwald ertönen bereits seit einiger Zeit im MP3-Format. Im Altenberger Wald tut sich in den letzten Jahren überhaupt so einiges. Ein Überblick über die Neuerungen im Märchenwald.

ALTENBERG – Kaum ein Besucher dürfte es gemerkt haben: Die Erzählstimmen im Märchenwald ertönen bereits seit einiger Zeit im MP3-Format – nur „Kratzer“ wurden aus den alten Schallplattenaufnahmen herausgefiltert. Übersehbar ist die Veränderung dagegen beim neugestalteten Internetauftritt: Hier hüpft Rumpelstilzchen durch einen Hochglanz-Werbefilm.Im Altenberger Wald tut sich in den letzten Jahren überhaupt so einiges: Das Pfefferkuchenhaus wurde neu gestrichen; Max, Moritz und viele andere bekamen ein neues Dach. Aber auch abseits der meist über 50 Jahre alten Häuschen ist viel zu tun. Wege wurden verbreitert und gepflastert, das Ziegengehege vergrößert, viele Bäume gefällt und eine neue Treppe gebaut.

Treibende Kraft hinter den Sanierungsmaßnahmen ist Geschäftsführer Detlev Kreber. Diesen Sommer fand er endlich auch einmal Zeit, sich um das Innere der Häuschen zu kümmern. Dornröschen bekam neue Fliesen und in einem Anbau gleich eine komplette Küche inklusive Personal: ein Koch und ein Küchenjunge. Nicht nur der Schnäuzer des Kochs ist täuschend echt gezwirbelt, die Silikon-Puppen sehen insgesamt sehr realistisch aus.

Gefertigt wurden sie von einem holländischen Spezialhersteller, bei dem Kreber auch gleich für 2011 zwei weitere Puppen bestellt hat: eine neue Gänsemagd und ein kleines Mädchen, das Frau Holle Gesellschaft leisten soll. Kreber, seit seinem 21. Lebensjahr „Teil des Märchenwaldes“ und seit 2007 Geschäftsführer der neugegründeten Märchenwald Gmbh, hat ein einfaches Motto: „Was an Geld reinkommt, wird direkt investiert.“ Deshalb wird im Wald neuerdings ständig irgendwo gewerkelt.

Besonders hilfreich seien dabei in letzter Zeit einige erfahrene Senioren gewesen, erzählt Kreber: Friedhelm Kolling, ehemaliger Phantasialand-Mitarbeiter, sorgte dafür, dass der über 40 Jahre alte Gestiefelte Kater auf dem Dach der Windmühle wieder seine Runden dreht. Und der über 80-jährige Fritz Landwehr aus Oberodenthal schnitzte neue Wegweiser nach historischen Vorbildern. Die seien nun aus Eichenholz, so Landwehr und würden auch Kreber überleben.

Der Geschäftsführer grinst dazu nur, denkt aber auch schon so weit voraus: „Ich glaube, die werden mich im Märchenwald beerdigen müssen.“ Bis dahin hat er aber noch einiges vor mit seinem „Lebensprojekt“. Zumindest ein mögliches Highlight für 2011 verrät er schonmal: „Ich denke darüber nach, für Schneewittchen eine Steingrotte zu bauen.“ Dort soll sie in einer Glasvitrine Platz finden, vor ihr kniend der Prinz. Und in noch weiterer Zukunft soll dann auch endlich das tapfere Schneiderlein mit einem Häuschen vertreten sein.

Zunächst könnten aber Ziege, Meerschweinchen und Co bald weitere Gesellschaft bekommen: „Mit Glück bekommen wir vom Nachbarsbauern wieder einen Esel.“

Auch im Restaurant gibt es Neuerungen. Die Gästezimmer sind renoviert, sodass bei Feiern auch Übernachtungen dazugebucht werden können. Der Renner auf der Karte ist derzeit das „Bergische Schnitzel“, in einem Pfännchen mit Champignons, Zwiebeln und Käse serviert.

Krebers Augen leuchten, wenn er davon erzählt. Aber fast scheint es, als ob der gelernte Fleischer, Koch und Konditor sich gerade zu einem waschechten Handwerker entwickelt. „Am liebsten stehe ich zur Zeit allein im Regen und streich ein Haus an“, gibt er zu.

Damit er seine Frau nicht ständig in der Küche allein lässt, steht er eben früher auf, um ein bisschen zu werkeln. Fürs Zeitungslesen bleibt da leider keine Zeit. Deshalb wird sich Kreber wohl auch diesen Artikel von seinen Stammgästen mitbringen lassen.