Bergische Landeszeitung

MÄRCHENWALD
Der doppelte Jägersmann

Erstellt 21.03.2014

Fast schon zärtlich tätschelt Detlev Kreber den Kopf der neuen Wachsfigur des Altenberger Märchenwalds. Für ihn ist es wie ein Blick in den Spiegel, denn der Jägersmann aus „Rotkäppchen“ sieht ihm verblüffend ähnlich. Von Lars Heyltjes

Odenthal. Fast schon zärtlich tätschelt Detlev Kreber den Kopf der neuen Wachsfigur des Altenberger Märchenwalds. Für ihn ist es wie ein Blick in den Spiegel, denn der Jägersmann aus „Rotkäppchen“ sieht ihm verblüffend ähnlich. Aus der Ferne ist in den Gesichtern kein Unterschied auszumachen. Nur wer sich traut, ganz nah an die „Zwillinge“ heranzutreten, erkennt den wahren Geschäftsführer des Märchenwalds: „Ich bin übrigens auch Jäger“, zeigt Kreber weitere Parallelen auf.

Jasper Holla hat wieder zugeschlagen. Gleich zwei neue Figuren installierte der niederländische Puppenbauer in Altenberg. Der Knüppel aus dem Sack hat nun ein neues Opfer, das er auf Knopfdruck heftig vermöbelt. Zähne, Haare und Augen des Wirts aus der Grimm’schen Erzählung wirken echt, die lauten Schreie und das Flehen kommen vom Band: „Ich bin mir sicher, dass einige Kinder vor dieser Szene gehörigen Respekt zeigen werden“, sagt Kreber. Er ist froh, dass die beiden Neuzugänge vor den Osterferien installiert wurden.

Bis zu 100 Schichten Farbe

Mittlerweile hat Holla über zehn Figuren für den Märchenwald kreiert. Sie bestehen aus Silikon: „Das ist deutlich wetterresistenter, da kann sich ruhig einmal eine Schicht Farbe lösen.“ Das sehen die Besucher der Puppe nicht an, je nach Hautfarbe trägt Holla bis zu 100 dünne Schichten auf. Das Prinzip lässt sich gut mit Creme zum Selbstbräunen vergleichen.

Zwischen den beiden Männern hat sich in den vergangenen acht Jahren eine Freundschaft entwickelt, die den Niederländer auf eine Idee gebracht hat. Eine Plastik nach dem Ebenbild des Geschäftsführers sollte es sein. Um seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, vernichtete Holla den ersten Versuch. Erst nach viereinhalb Monaten war er mit seinem Werk zufrieden: „Es handelt sich um eine Arbeit für einen Freund. Die Figur sollte also ein Kompliment und keine Beleidigung sein“, scherzt der Zwei-Meter-Mann mit den filigranen Händen. Er nennt das Resultat „den kleinen Herrn Kreber“.

Öffnungszeiten: 9 bis 18.30 Uhr; Eintritt bis 15 Jahre 3,00 Euro, ab 15 Jahren 4,00 Euro.

http://www.rundschau-online.de/rhein-berg/maerchenwald-der-doppelte-jaegersmann,16064474,26623578.html


Ein Schneiderlein aus Silikon

Erstellt 24.03.2013

Drei Monate hat Jasper Holla aus dem niederländischen Oostwoud gebraucht, um dem tapferen Schneiderlein ein Gesicht zu geben – am Samstag zog die Figur in ihr neues Zuhause ein: ein Häuschen im Altenberger Märchenwald. Von Dirk Volkmann

Altenberg. Drei Monate hat Jasper Holla aus dem niederländischen Oostwoud gebraucht, um dem tapferen Schneiderlein ein Gesicht zu geben – am Samstag zog die Figur in ihr neues Zuhause ein: ein Häuschen im Altenberger Märchenwald. Dessen Geschäftsführer Detlev Kreber war begeistert: „Unglaublich, man hat das Gefühl, als ob man einem Menschen ins Gesicht schaut.“

Während die erfahrene Kürtener Schneiderin Hannelore Fabian der Sitzfigur maßgeschneiderte Kleidung überstreifte, kam der Einzug plötzlich ins Stocken: Niemand hatte an das passende Schuhwerk für den neuen Märchenwald-Bewohner gedacht.

Tapferes Schneiderlein wird Klatsche bewegen

Kreber verschwand kurz und kehrte dann mit einem gebrauchten Paar Schuhe aus seiner eigenen Kollektion zurück. Während er sie dem tapferen Schneiderlein überstreifte, erinnerte er sich an den ersten Kontakt mit Holla: „Ich habe seine Firma vor einigen Jahren im Internet entdeckt und ihm probeweise einen Auftrag erteilt. Ich war damals vom Ergebnis so begeistert, dass er mittlerweile schon zehn Figuren für uns angefertigt hat.“

Über den Preis einer Figur wollen beide nichts verraten, sprechen aber von marktüblichen Preisen ab etwa 7000 Euro. „Ich habe mittlerweile Kunden in der ganzen Welt, und der Preis richtet sich immer nach dem Umfang der Arbeiten“, so Holla: „Nach oben gibt es da kaum Grenzen.“ Der Experte fertigt seine Figuren seit drei Jahren nicht mehr aus Wachs, sondern aus Silikon. Bei den Temperaturschwankungen im Märchenwald das besser geeignet, so Jasper Holla. Gemeinsam mit seiner Frau Gerda nahm er das Schneiderlein am Samstag ein letztes Mal in Augenschein und zupfte die Frisur zurecht: „Dafür habe ich sehr viel Zeit gebraucht. Jedes Haar wurde einzeln eingepflanzt, damit es so natürlich wie möglich aussieht.“

Auf dem Weg zu seinem neuen Zuhause, wenige Schritte vom Märchenwald-Eingang entfernt, wurde das tapfere Schneiderlein von seinen Schöpfern begleitet. „Alles ist noch nicht fertig, aber die meisten Arbeiten sind getan“, entschuldigte sich Kreber. „Das tapfere Schneiderlein wird auf Knopfdruck seine Fliegenklatsche schwingen, aber im Moment fehlen leider noch die Fliegen.“

Wer den umtriebigen Hausherrn kennt, der weiß, dass er auch dieses Problem in den kommenden Tagen gelöst hat.

http://www.rundschau-online.de/rhein-berg/maerchenwald-ein-schneiderlein-aus-silikon,16064474,22203208.html